Wiederaufnahme von André Chénier am Bodensee
Der Opernschlüssel zu Gast bei den Bregenzer Festspielen
Auch in diesem Sommer wird der Opernschlüssel die Bregenzer Festspiele bei ihrer Vermittlungsarbeit für Kinder und Jugendliche zur Oper André Chénier unterstützen.
Den Anfang macht am 26. Mai Robert Weidensdorfer mit einem musiktheaterpraktischen Workshop zur Oper André Chénier für das Führungspersonal der Bregenzer Festspiele. Vom 25. Juni bis 4. Juli geht es dann mit den crossculture Workshops für Kinder und Jugendliche weiter. In den Workshops eignen sich Kinder und Jugendliche im szenischen Spiel den Inhalt und die Handlung der Oper André Chénier eigenständig an. Moderiert und geleitet werden die Workshops von Annette Brunk und Robert Weidensdorfer. Eine letzte Gelegenheit zur Teilnahme an einem Opernschlüssel-Workshop bietet sich allen Interessierten am 14. Juli bei der crossculture night.
Informationen zum Kinder- und Jugendprogramm der Bregenzer Festspiele www.cross-culture.at
(Robert Weidensdorfer)
Durch Sandstürme und grüne Oasen.
Roads of Arabia. Eine Karawanenrallye
Noch bis zum 9. April 2012 präsentiert die Ausstellung »Roads of Arabia« im Pergamonmuseum beeindruckende Zeugnisse aus der Vor- und Frühgeschichte Saudi-Arabiens. Das Team von Der Opernschlüssel konzipierte eigens für das Begleitprogramm der Ausstellung eine interaktive Karawanenrallye für junge und junggebliebene Ausstellungsbesucher. Opernschlüssel-Mitarbeiterin Stephanie Langenberg schildert ihre Eindrücke, die sie bei der 1. Karawanenrallye bei »Roads of Arabia« gesammelt hat.
»Marhaba, ismi Pauline«, stellt sich die 10-Jährige ihren Geschwistern und Großeltern vor und hat dabei ein merkwürdiges Gefühl. Ihre Familie auf Arabisch zu begrüßen, ist für sie neu und ungewohnt, aber spannend. Die Vorfreude auf die bevorstehende Karawanenreise wächst. Die bunten Gewänder, in die sich die Karawanenführer, die Coaches der insgesamt drei Gruppen, gekleidet haben, verkünden Spaß und Spiel an diesem Donnerstagvormittag in den Winterferien.
Mit dem Startschuss begeben sich die Gruppen in die Ausstellungsräume und verteilen sich auf drei von insgesamt fünf Stationen des Rallye-Parcours, der vom Team des Opernschlüssels vorher sorgfältig festgelegt worden ist. Alle Gruppen starten zur selben Zeit und wechseln im 15-Minuten-Takt, nachdem sie eine kreative Aufgabe im Team gelöst haben, im Uhrzeigersinn zur nächsten Station, bis sie alle Stationen passiert haben.
Paulines Gruppe beginnt in dem Ausstellungsraum mit Fundstücken aus der Oase Tayma. Der Coach bittet die Teilnehmer, auf Kissen Platz zu nehmen, die auf dem Boden ausgebreitet sind, die Augen zu schließen und der orientalischen Musik und der angenehm ruhigen Männerstimme aus dem CD-Player zu lauschen. Eine Fantasiereise entführt die Karawane in das Land der Tagträume. Ausgeruht kehren die Teilnehmer in die Ausstellung zurück und beantworten die anschließenden Fragen zur Erzählung mit Bravour.
Die Karawane zieht weiter. Vorbei an riesigen Kolossstatuen, einem Prunkgrab eines sechsjährigen Mädchens und Meilensteinen mit arabischen Inschriften aus Granit gelangt die Gruppe in den Ausstellungsraum zur Handelsstadt Qaryat al-Faw, wo die nächste Aufgabe wartet. Um die Wasservorräte für die lange Reise wieder aufzufüllen, soll die Gruppe hier so viele zusammengesetzte Wörter mit »Wasser« bilden wie möglich. Nun schreiben drei Kinderhände gleichzeitig in gemalter Krakelschrift über 30 schöne Wörter auf, die von allen Teilnehmern laut in die Gruppe geworfen werden.
Bei der nächsten Station sind der Geruchs- und Geschmackssinn der Teilnehmer gefragt. Sieben verschiedene Gewürze und Duftstoffe sind in kleine Glasfläschchen gefüllt, deren Inhalte die Karawanenreisenden anhand des Geruchs erkennen sollen. Leider hat der 7-jährige Felix eine solche Schnupfnase, dass er nur raten kann: »Vielleicht Basilikum?« Zum Glück können die Geschwister helfen, und so kann das Team jedes Gewürz am Ende doch noch richtig benennen.
Die nächste Aufgabe ist ein Schrifträtsel, basierend auf dem sabäischen Alphabet, aus dem sich später das Arabische entwickelt hat. Die Buchstaben sollen zuerst ins Deutsche übertragen werden. Dann müssen an den richtigen Stellen noch Vokale eingefügt werden, und stolz präsentiert die Gruppe die Lösung: »Der Koran ist das heilige Buch des Islam!«, ruft Nils glücklich.
Zum Schluss zieht die Karawane in einen Raum, der nicht mehr zur Ausstellung gehört. Dort studiert sie einen eigenen Tanz ein, mit dem sie den Zusammenhalt der Gruppe demonstriert, der ja auch für die echten Karawanen in der Wüste überlebenswichtig ist. Ein paar Schritte in imaginären Sand stampfend, laufen die Kinder und Großeltern im Kreis und klatschen zur Musik. Die Karawane ist glücklich, da sie alle Aufgaben so gut gemeistert hat!
Zur Siegerehrung erscheinen alle Gruppen im Tanzraum. Obwohl Paulines Karawane so konzentriert mitgearbeitet hat, kommt sie »nur« auf den zweiten Platz. Den feinen Unterschied machten die Wasser-Wörter! Eine andere Gruppe hat doppelt soviele und daher mit Abstand gewonnen. Dennoch fühlt sich auch der zweite Platz gut an. Der Spaß an der Sache, das gemeinsame Ferienerlebnis mit Oma und Opa sowie der Teilnehmerpreis, nämlich süß schmeckende Feigen, sind die Dinge, die in guter Erinnerung bleiben werden.
Für das Team des Opernschlüssels ist der Moment, in dem die Teilnehmer so glücklich ihren Preisen entgegenfiebern, Genugtuung und Bestätigung zugleich: das Wissen, auf spielerische Weise den Spaß am Lernen vermittelt zu haben und dabei den Wünschen des Publikums gerecht geworden zu sein sowie die positive Resonanz als Beweis für ein gelungenes Projekt deuten zu können. Das macht Lust auf mehr davon...
(Stephanie Langenberg)
Zwischen Mozart und Markt – Kulturvermittlung aus Sicht eines Selbstständigen
Welche Zugangschancen zum Kultur-und Bildungsbereich hat Kulturvermittlung, wenn sie auf freiberuflich-selbstständiger Basis stattfindet?
Mit welchen Angebotsformen kann man Kunstwerke als Selbstständiger vermitteln?
Welche Berufschancen hat selbstständige Kulturvermittlung in der Kultur- und Bildungslandschaft?
Über diese Fragestellungen hat sich der Opernschlüssel-Mitarbeiter Robert Weidensdorfer in einem kürzlich erschienenen Internet-Beitrag bei Podium.Lab. Gedanken gemacht. In dem Beitrag geht der Autor der Fragestellung nach, welche Rolle der selbstständige Kulturvermittler im Spannungsfeld seiner künstlerisch-ästhetischen Arbeit und den prekären wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen sie stattfindet, hat. Tatsächlich - so eine Erkenntnis des Beitrags - droht der idealistischen Ursprungsidee von Kulturvermittlung, eine geistige Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk zu suchen, Gefahr durch die Erfolgs- und Leistungsorientierung der Angebote in der Branche. Aus Sicht des Autors ist Kulturvermittlung zwar ein angebotsreiches Arbeitsfeld. Dennoch ist es eine große Herausforderung, Interessenten von dem ideellen Wert der eigenen ästhetisch-künstlerischen Arbeit zu überzeugen.
Der vollständige Artikel kann auf der Homepage des Podium LAB vom Podium Festival Esslingen unter folgendem Link abgerufen werden:
http://podiumlab.posterous.com/zwischen-mozart-und-markt-kulturvermittlung-a#more
(Robert Weidensdorfer)
